Coming Out

Wer, warum und wozu?

Letzte Woche hat einer meiner Kollegen einen LinkedIn Post veröffentlicht. Der hat mich echt gepackt! Ich war berührt, erschüttert und er hat mich erst mal nicht mehr losgelassen.  Deswegen möchte ich meine Gedanken dazu hier mit dir teilen. Worum also geht’s? 

Mein Kollege ist frisch verliebt. Toll, oder? Wer kennt es nicht, dieses Gefühl voller Glück und Freude. Alles fühlt sich wunderbar leicht und  gleichzeitig total aufregend an. Die Schmetterlinge im Bauch schlagen Purzelbäume und tanzen einen Tango nach dem anderen. OK, stopp, das war jetzt meine ganz persönliche Erinnerung aber… sicher kennt ihr das Gefühl zumindest in ähnlicher Form und Ausprägung 🤩

Wie auch immer: Seine Freude über seine neue Liebe hätte er gern mit einem gemeinsamen Foto geteilt. Also ich hätte mich sehr über einen Post darüber gefreut, weil ich mich gern vom Glück anderer anstecken lasse. Nur leider hat’s diesmal nicht geklappt. Mein Kollege konnte seine Freude nicht teilen, denn sein Freund hat sich bisher noch nicht ‘geoutet’. Also ich mein, geoutet im Sinne von “Hey, mein Name ist X, ich bin ein Mann und – sowas aber auch – ich liebe einen Mann” oder so ähnlich. Keine Ahnung wie man sowas macht. Als Frau, verheiratet mit einem Mann musste ich mir noch nie Gedanken darüber machen, wem ich das mitzuteilen habe und ob und wieso überhaupt. Schließlich gehöre ich ja zu den ‘Normalos’. Also alles gut.

Nein, eben nicht! Ich war sowas von wütend, dann bestürzt und letztendlich einfach nur traurig. Was aber hat mich so dermaßen getriggert? OK, Diskriminierung ist für mich schwer aushaltbar. Mit der Einordnung in ‘richtig’ und ‘falsch’ tu ich mich auch nicht immer leicht. Aber mal ganz ehrlich: Wir leben im Jahr 2023! Wir reden über Gender-Sternchen und so’n Zeugs und erwarten immer noch, dass sich Menschen, zu ihrer sexuellen Ausrichtung bekennen, falls diese nicht ‘der Norm’ entspricht? Echt jetzt? Und wer hat eigentlich festgelegt, was bzw. wer ‘normal’ ist?

Das Rausfinden wer wir sind, was uns ausmacht, was alles in uns steckt, unsere Stärken, Schwächen, Fähigkeiten, was und wen wir lieben und was und wen eher nicht – all das ist ein langer und manchmal auch anstrengender Prozess. Besonders wenn wir Seiten an uns entdecken, die nicht in irgendwelche Schubläden passen und wir sie vielleicht auch gerade deshalb nicht ganz so prickelnd finden. Was für eine Kunst, uns dennoch so anzunehmen wie wir sind, zu uns selber stehen und uns zu lieben. Bingo! Going in statt Coming out! 

Über Kommentare zu diesem Thema würd ich mich sehr freuen. Vielleicht konntest du ja sogar ein paar schöne Erfahrungen machen. Dann teilt sie doch bitte mit uns. 

Ich wünsch mir Freude, Liebe und Toleranz. Für mich und für alle. Für eine schöne und bunte Welt voller Vielfalt.

Liebevolle Grüße, Carola

2 Kommentare zu „Coming Out“

  1. Liebe Carola, danke für den wichtigen Blogbeitrag. Ich zähle mich seit vielen Jahren ganz bewusst zu den Allys der LGBTQIA+ Bewegung und höre einige Podcasts und schaue mir YouTube Videos dazu um. Mein Start in die Thematik war als ein damaliger Kollege sich als Transfrau geoutet hatte. Das war wirklich ein sehr spannender Prozess diese Transformation zu beobachten.
    Mein Lieblingspodcast zu dem Thema ist “Out and About” von Aljosha Muttardi https://out-and-about.podigee.io (auf allen Kanälen verfügbar) und auch sein YouTube Kanal und z.B. das Video zum Thema Ally https://youtu.be/TdMxVHiB_FU?si=Psmp0otkehegPenu oder über sein Coming Out https://youtu.be/l1N1StgWb_U?si=URLo8U1H_OCM2IZD
    Es ist soooo wichtig, dass wir “Normalos” uns solidarisieren und die Community unterstützen.

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